Fallwerkstätten[2]

"In der Theorie der "Mikrokultur" wird die These aufgestellt, dass in einer Gruppe von zwanzig oder mehr Personen ein repräsentativer Querschnitt einer Gesamtkultur zu finden sein kann,

was eine Aufladung mit multiplen Sichtweisen und Wertesystemen ermöglicht"
David Bohm

 

In einer Fallwerkstatt werden an einen Tag rückblickend komplexe Fallverläufe reflektiert. Diese werden von der Falleinbringenden Fachkraft mit Hilfe eines auf Wandtafeln dargestellten Zeitstrahls dargestellt. Bei der Betrachtung wird der Blick auch gezielt auf institutionelle Faktoren und Kooperationsstrukturen sowie bestimmte Qualitätsebenen der Kinderschutzarbeit gelegt .
Grundlage für eine gute Kinderschutzarbeit ist – neben dem Beziehungsaufbau zu Eltern und Kindern – immer das Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte verschiedener Professionen. Dialogische Fallwerkstätten bieten die Möglichkeit, komplexe Wirkungszusammenhänge zu verstehen, gemeinsam aus Erfahrungen zu Lernen und sich fachlich zu verständigen. Damit sind sie ein wichtiger Beitrag zur Qualitätsentwicklung und -sicherung im Kinderschutz.  Im Unterschied zur externen Fallsupervision, erhalten wir in einer Fallwerkstatt direkte Einblicke in die Perspektive anderer Fallbeteiligter. Dies hat - neben der individuellen Perspektiverweiterung - erhebliche Effekte auf die Qualität der Kooperation verschiedener Fachkräfte und Professionen im Kinderschutz.
Die vertiefende und fachkompetent angeleitete Betrachtung eines Falles, ermöglicht den gezielten Blick auf verschiedene Qualitätsebenen der Kinderschutzarbeit. Es sind sowohl individuelle als auch gemeinsame Lernerfahrungen im Dialog der Beteiligten auf die weitere Fachpraxis zu übertragen.

Die Mitwirkung in der mehrseitigen Fallwerkstatt unter professioneller Anleitung ermöglichen für alle Beteiligten nachhaltige Lernprozesse und haben einen hohen Lernwert auch für Nachwuchskräfte.

 

Angebot
Neben der Beratung im Vorfeld zu Umfang, Teilnehmerkreis und notwendigen Vorbereitungen sorge ich während der Fallwerkstatt  für einen sicheren Rahmen, in welcher ein mehrperspektivisches dialogisches Forschungs- und Lernklima entsteht.
In vorbereitenden Gesprächen, erarbeite ich mit Ihnen Ihre Fragestellungen und gebe Ihnen neben der allgemeinen fachlichen Beratung bei Planung und Durchführung der Fallanalyse auch Impulse aus dem mir möglichen externem fachlichen Blickwinkel, wo dies aus Gründen der Qualitätssicherung nötig scheint.  

Erkenntnisse  aus der Fallwerkstatt werden auf Wunsch gemeinsam abgestimmt und verschriftlicht. 

Ist die Begleitung im Tandem sinnvoll und erwünscht, arbeite ich zusammen mit einzelnen im Feld Kinderschutz erfahrenen Fachkräften aus dem Bundesverband der Kinderschutzzentren, dem Kronberger Kreis für dialogische Qualitätsentwicklung e.V., oder sonstigen erfahrenen Kinderschutzfachkräften.

Gerne bilde ich auch erfahrene Kinderschutzfachkräfte für die  Begleitung von dialogischer Prozessen zur Qualitätsentwicklung im Kinderschutz in Ihrer Einrichtung aus.

 

Jugendämter, die noch nicht entschieden sind, auf welche Art und Weise Fallbetrachtungen als Methode der Qualitätsentwicklung im Kinderschutz Anwendung finden sollen, unterstütze ich gerne durch Fachvorträge und Moderation dialogischer Prozesse bei dem Entscheidungsprozess.

 


[2] Entwickelt wurde die Idee der Fallwerkstatt
a) im Rahmen der Arbeit des Kronberger Kreises für Dialogische Qualitätsentwicklung e.V., insbesondere im Kontext des Bundesmodellprojektes „Aus Fehlern lernen – Qualitätsmanagement im Kinderschutz“ (siehe hierzu Reinhart Wolff und Andere im Buch mit dem gleichnamigem Titel: „Aus Fehlern lernen, Konzepte, Bedingungen Ergebnisse, hg.  vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen, 2013). Weiterentwickelt wurden Ablauf, Arbeitsformen und Instrumente dann durch die Durchführung von Fallwerkstätten in verschiedenen Kommunen, z.B. in Bremen, siehe hierzu Heinitz/Claassen-Hornig: Neue Wege im Umgang mit problematischen Fallverläufen: Die Fallwerkstatt als Methode der Qualitätsentwicklung, in Forum Erziehungshilfen, 2013

b) Christian Schrapper/Vanessa Schnorr (Hrsg.):“Risiko erkannt- Gefahr gebannt? Bericht zum Landesprojekt: „Risikoanalyse als Qualitätsentwicklung im Kinderschutz in Rheinland-Pfalz“ 2009 - 2011